ChinaContact Interview: In der zweiten Reihe weit vorn

Unter den Städten der zweiten Reihe nimmt Qingdao einen Spitzenplatz ein. Das verdankt die Stadt auch dem Deutsch-Chinesischen Ökopark, wo 2016 das vom German Centre Shanghai verwaltete German Enterprise Centre eröffnet wurde. ChinaContact sprach mit der Geschäftsführerin Kerstin Kaehler.

Frau Kaehler, die Städte der sogenannten zweiten Reihe werden für ausländische Unternehmen, die in China investieren, immer wichtiger. Welchen Platz hat dabei Qingdao?

Unter den Städten der zweiten Reihe steht Qingdao aus meiner Sicht ganz klar in der ersten Reihe. In Shandong ist es die wirtschaftlich stärkste Stadt und rangiert damit sogar vor der Provinzhauptstadt Jinan. Und auch bei der Ansiedlung deutscher Unternehmen ist Qingdao allen anderen Städten Shandongs weit voraus, wobei hier aus Branchensicht anders als in anderen Städten ein breiter Mix besteht. Ein Grund für die Anziehungskraft ist der Hafen mit der angeschlossenen Freihandelszone. Viele deutsche Unternehmen finden sicherlich auch das deutsche Erbe hier interessant, doch vor allem sind es die im Vergleich zu anderen Städten der zweiten Reihe günstigeren Rahmenbedingungen, gekoppelt mit einer gut ausgebauten Infrastruktur, die gezielt weiterentwickelt wird.

Hinzu kommt der Deutsch-Chinesische Ökopark in Qingdao. Hat er auch dazu beigetragen, dass das Interesse an der Stadt in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat?

Auf alle Fälle. Grund dafür ist, dass die Verwaltung in den vergangenen Jahren sehr entschlossen den Park vermarktet und dabei sowohl in Deutschland als auch in China erfahrene Partner mit ins Boot geholt hat. So hat der Park in München eine Vertretung eröffnet. Das Büro teilt sich der Park mit der Repräsentanz der Stadt Qingdao. Denn es geht ja nicht nur um den Deutsch-Chinesischen Ökopark, sondern um den gesamten Standort, wo es weitere Wirtschaftszonen gibt.

Die Mitarbeiter der lnvestitionsgesellschaft sind regelmäßig auf lnvestitionsmessen in China und auf Veranstaltungen ausländischer Kammern in Peking und Shanghai. Sie suchen aktiv den Kontakt zu Unternehmen und sind bereit, auf die Bedürfnisse der Zielgruppe einzugehen.

Wie es bei vielen chinesischen Investitionszonen der Fall ist, hatten auch die Qingdaoer zunächst Großinvestitionen im Blick. Inzwischen haben sie erkannt, dass sie auch Unternehmen, die nicht gleich eine große Fabrik aufbauen wollen, entsprechende Möglichkeiten bieten müssen, so wie es beispielsweise in Kunshan oder Taicang gemacht wird. Interessierte Unternehmen können zunächst klein anfangen und langsam wachsen. Die Bereitschaft, auf die Wünsche der Kunden einzugehen und die Überzeugung, dass deutsches und chinesisches Know-how erfolgreich zusammengehen können, macht die Mischung aus, die zum Erfolg führt.

Übertrieben wäre allerdings zu behaupten, dass der Ökopark allein zu Qingdaos Popularität beigetragen hat. Das würde sicherlich auch keiner aus der Ökopark-Verwaltung sagen.

Ein großes Anliegen des Ökoparks war die Gründung des German Enterprise Centres. Vor einem Jahr wurde es eröffnet. Wie hat es sich seitdem entwickelt?

Operativ sind wir erst seit Juli 2016 und haben inzwischen zehn Mieter. Derzeit sind wir mit vier weiteren Mietinteressenten in Verhandlung, die sich hier ansiedeln wollen, mit einem fünften beginnen wir Anfang April die Gespräche.

Aus welchen Branchen kommen diese Unternehmen?

Die Nähe zum Freihafen ist vermutlich der Grund, dass Unternehmen hier Büros für Ex-und Import-Geschäfte eröffnen. Das Branchenraster ist insgesamt sehr gemischt. So haben wir ein Unternehmen, das mit industriellen Bürsten handelt. Zwei Start-ups gehören zu unseren Mietern: Eins bietet Lebensmitteltechnologie zur Verbesserung von Fast Food an. Das andere ist im Bereich Social Media aktiv, das hoffentlich auch dem einen oder anderen Mieter bei uns hilft, ihre WeChat-und Youku-Accounts attraktiver und professioneller zu gestalten. Selbstverständlich haben wir auch Umwelt-Unternehmen im German Enterprise Centre: Eine Firma mit Technologie für Mülltrennung und eine andere, die Technologie für Wasseraufbereitung anbietet. Außerdem ist die Handelsgesellschaft eines Unternehmens hier, das in Yantai Automobilkomponenten herstellt.

Vom ursprünglichen Schwerpunkt Umwelttechnologie hat sich der Ökopark also verabschiedet?

Ursprünglich sollte hier ja eine ökologische Modellstadt entstehen. Von deutscher Seite war da eher Zurückhaltung zu beobachten, auf chinesischer Seite war der Anfang auch recht holprig.

Inzwischen ist die Richtung aber klar. Ganz bestimmt wird hier keine Aluminium-Schmelze angesiedelt. Und es wird auch sehr genau darauf geachtet, dass Unternehmen, die sich hier ansiedeln, nach neuesten ökologischen Standards produzieren. Es geht jedoch nicht mehr ausschließlich um Unternehmen, die Umwelttechnologien produzieren. Jedenfalls derzeit nicht.

Quelle: ChinaContact 03.17

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